Start >> Archiv >> Pressemitteilungen >> 04.10.2006
Pressemitteilung München, 04.10.2006
Dringender Handlungsbedarf bei der Beschäftigung von Menschen mit Behinderung und chronischer Erkrankung
Angesichts positiver Meldungen hinsichtlich sinkender Arbeitslosenzahlen wird nach Auffassung der Behindertenbeauftragten der Bayer.
Staatsregierung Anita Knochner die Situation von mehr als 22.300 arbeitswilligen schwerbehinderten Menschen in Bayern unzureichend berücksichtigt.
"Besonders tragisch ist die Situation junger Schulabsolventen, denen aufgrund einer bestehenden Behinderung die Integration in der
Arbeitswelt und somit ein normales selbstbestimmtes Leben vorenthalten bleibt."
In Bayern sank die Arbeitslosenzahl innerhalb eines Jahres um 14,5 %, die Zahl der Menschen mit Behinderung ohne Arbeit dagegen nur um 0,1 %.
Knochner: "Dies lässt nur einen Schluss zu: In der Debatte um die Beschäftigungspolitik muss verstärkt die Situation behinderter Menschen
berücksichtigt werden."
"Behinderte Menschen sind in der Regel nicht nur hoch motiviert, sondern am geeigneten Arbeitsplatz genauso leistungsfähig wie nicht
behinderte Menschen. Es gilt daher, die Personalverantwortlichen hiervon zu überzeugen und auf das differenzierte Förderangebot des Gesetzgebers
hinzuweisen um behinderungsbedingte Nachteile auszugleichen"
, so Knochner.
So informiert sie im Rahmen regelmäßiger Konferenzen in den einzelnen Regierungsbezirken über das bestehende Leistungsangebot und zeigt
Lösungsansätze auf.
Knochner: "Die Integration behinderter Menschen in das Berufsleben bedarf intensiver Unterstützung und unser aller Anstrengung."
Um diese Anstrengungen zu bündeln hat die Behindertenbeauftragte in Abstimmung mit dem Landesbehindertenrat das Beratungsgremium „Arbeit
für Menschen mit Behinderung und chronischer Erkrankung“ initiiert, das seine Arbeit im September aufgenommen hat.
Entscheidungsträger und Fachkräfte aus allen Bereichen der Arbeitswelt finden sich hier zusammen, um Informationen auszutauschen, rechtliche Themen zu erörtern und weitere Vorgehensweisen bei entsprechendem Handlungsbedarf abzustimmen.
Im Vordergrund sollen die unterschiedlichsten Beschäftigungsmöglichkeiten aufgezeigt und Perspektiven entwickelt werden. So wurde, aufgrund der stetig steigenden Nachfrage zu Arbeitsplätzen in Werkstätten für behinderte Menschen, in der jüngst stattgefundenen Sitzung die derzeitige Situation dargestellt und Ausblicke für die Zukunft erörtert.
In den Ausführungen des Vorsitzenden der Landesarbeitsgemeinschaft der Werkstätten, Ulricht Hiltl, wurde die derzeitige Situation der
Werkstätten dargestellt. Hiltl: "immer mehr Menschen nutzen das Angebot der Werkstätten, da ihnen auf dem regulären Arbeitsmarkt
gesundheits- bzw. altersbedingt keine Beschäftigungsmöglichkeit mehr geboten wird"
.
Als wesentliche Aspekte für das Ansteigen der Fallzahlen nannte er die demographische Entwicklung, die abnehmende Bereitschaft der Arbeitgeber
Menschen mit geistiger Behinderung zu beschäftigten und neue Personengruppen (Menschen mit psychischen, sozialen oder intellektuellen Problemen),
die eine Beschäftigung in den Werkstätten anstreben. Zudem steige das Durchschnittsalter der Werkstattbeschäftigten zusehends an, was einen
erhöhten Hilfebedarf mit sich bringt.
Diese Thematik wurde von Reinhold Frank, Verband der bayerischen Bezirke, aufgegriffen. Er stellte das Papier "Steuerungsmaßnahmen bei Hilfen zur Teilhabe am Arbeitsleben" vor, das von einer Arbeitsgruppe aus Vertretern der sieben bayerischen Bezirke erarbeitet wurde. Mit den Steuerungsmaßnahmen will der Bezirk die steigenden Zugangszahlen in den Werkstätten abfedern und Perspektiven aufzeigen.
Die anschließende Diskussion der Mitglieder, denen auch Vertreter der Gewerkschaften angehören, machte deutlich, dass die derzeitigen
Rahmenbedingungen auf die veränderte Situation in der Arbeitswelt anzupassen sind. Knochner: "Auch in der Arbeitspolitik müssen
verstärkt präventive Maßnahmen gefördert werden. In der Praxis hieße das, Integrationsfirmen, Integrationsfachdienste und ehrenamtliche
Initiativen weiter zu stärken. Auch ein betriebliches Eingliederungsmanagement muss verstärkt in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit rücken."
![Direkt zum Textbeginn [alt+8] Direkt zum Textbeginn [alt+8]](../../images/leer.gif)
